Berufsorientierung: Panik in der Kurve?

Was willst du werden, wenn du groß bist? Manche Berufswege sind kurvenreich …

„Na, was willst du denn einmal werden, wenn du groß bist?“ Seit wir denken können, wird uns diese Frage gestellt. Als Kind hat man dann noch den großen Vorteil, dass jede Antwort zwar nicht ernst genommen, zumindest aber akzeptiert wird. Das bleibt leider nicht lange so. Denn mit jedem Jahr steigt auch der Druck, der auf jungen Menschen lastet, sich für so vieles zu entscheiden.

Das kann leicht zu Verunsicherungen führen, da man zusätzlich auch noch von allen Seiten belehrt wird – Panik! Eine solide Ausbildung bringt später mal einen guten Job. Das Ganze bitte recht schnell, denn mit jedem Jahr verliert man Zeit und irgendwann den Anspruch auf etwaige Sozialleistungen. Eltern, Lehrer/innen, Verwandte, sie alle glauben, den Weg zu kennen. Geht man dann noch zu einer Infomesse, hat der Reizüberfluss seinen Höhepunkt erreicht. Das heutige Angebot an Studien, Lehren, Kollegs und Kursen ist mit früher nicht mehr vergleichbar. Man kann sich zu allem ausbilden lassen, und das auch noch auf verschiedenste Arten. Wer da nicht mal den Kopf in den Sand stecken will, vor dem ziehe ich den Hut.

„Es ist klar, dass einige da Panik kriegen.“

„Es ist klar, dass einige da Panik kriegen. Denn Informationsüberfluss führt zu Informationsmangel. Jugendliche können heutzutage gut mit den neuen Medien umgehen, sie haben sich die nötigen Informationskompetenzen also gut angeeignet. Das heißt, sie wissen genau, wo sie nachforschen müssen, um die für sich relevanten Auskünfte zu bekommen“, betont die Geschäftsführerin von LOGO Jugendmanagement Uschi Theißl. „Anders ist es da aber mit der Entscheidungskompetenz. Es gibt mittlerweile so viele Möglichkeiten, welche überfordernd wirken und die Sicht auf den richtigen Weg versperren“, fügt sie hinzu.

Ähnlich geht es der 18-jährigen Emma. Sie schließt heuer die Schule ab und läuft noch ein bisschen ruhelos durch die Welt. „Eigentlich möchte ich Kriminalpsychologin werden. Dafür braucht man jedoch als Grundstudium allgemeine Psychologie. Ich hoffe, dass mir das breite Feld der Psychologie auch Spaß macht und dass das Studium dann eben auch so ist, wie ich es mir vorstelle. Angst davor, mich falsch zu entscheiden, habe ich schon, ich will nicht versagen.

Ein Abbruch der Ausbildung wird meist mit Versagen gleichgesetzt. Man war zu schlecht, man hat nicht alles gegeben. Oft ist der Grund aber viel logischer: Es war einfach nicht das Richtige für einen. Klar, kein Job und keine Ausbildung der Welt bieten immer nur gute Tage und interessante Themen. Kann man sich selbst jedoch absolut nicht in einem Berufsfeld sehen, so sollte man keine Angst vor einem Wechsel haben.

Eine Lebenskrise entsteht

In solchen Situationen geht man schnell verloren, eine kleine Lebenskrise entsteht. Es scheint, als wüsste jede/r, was sie/er will, außer man selbst. Eine gute Möglichkeit, um wieder zu sich selbst zu finden, ist, ein bisschen Abstand von allem zu bekommen. Einfach nur nichts tun führt da aber schnell zu einer noch höheren Trostlosigkeit. Abhilfe kann zum Beispiel ein Jahr im Ausland schaffen. Vom freiwilligen sozialen Jahr bis hin zu Au-pair finden sich viele Möglichkeiten, den Horizont zu erweitern, und man stößt auf neue Ideen, die man zu Hause vielleicht nicht hätte.
Wer nicht in die große weite Welt möchte, kann durch Praktika verschiedenste Berufsfelder erleben. So erkennt man schnell, ob man sich vorstellen kann, in dem gewählten Beruf auch dauerhaft tätig zu sein. Man kann Erfahrungen sammeln und es macht sich zusätzlich noch gut im Lebenslauf.

Man muss also mit Sicherheit nicht mit 14 Jahren wissen, was man in und mit seinem späteren Leben machen will. Oft kommt man durch Zufälle auf neue Ideen und schlägt neue Lebenswege ein.

Dominik, 20 …

Auch Dominik erging es so. Er ist gerade 20 geworden und hat seine Lehre als Klimatechniker abgeschlossen. Er war ganz zufrieden mit seiner Arbeit und wollte nach dem Zivildienst wieder in seine Firma zurückkehren. Diesen macht er gerade in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderungen. Seine Arbeit dort bereitet ihm jedoch so viel Freude, dass er sich nun dazu entschlossen hat, eine neue Ausbildung im Sozialbereich zu beginnen.

Man weiß eben nie, was die Zukunft bringt. Mein Tipp: Hab Geduld und probiere Neues aus. Alles, was du nur tust, weil es dir andere einreden, wird dich nie weit bringen. Bleibst du dir selbst treu und bist bereit, dich mit dem, was dich interessiert, intensiv ausei­nanderzusetzen, wirst du deinen Weg finden. Wie John Lennon schon sagte: „Leben ist das, was passiert, während du beschäftigt bist, andere Pläne zu machen.“

MARLENE ZÜLSDORFF

INFO

Orientierungshilfe findest du hier:
LOGO-Berufsinfo
AMS-Berufsinfo
Schul- und Berufsinfomesse in Graz: SBim

Foto: Dudarev Mikhail/Fotolia

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