„Brooms up!”: Quidditch mit den Graz Grimms

Raffael hat sich für checkit den Besen zwischen die Beine geklemmt und Quidditch getestet – den Sport aus den Harry-Potter-Romanen. Wie es „mittendrin“ war, erzählt er in seiner Reportage.
StefanieKrois_GrazGrimms Quidditch

Foto: StefanieKrois/GrazGrimms

„Als ich die Veranstaltung im Internet gesehen habe, habe ich mir zuerst gedacht, das ist ein Scherz“, erinnert sich Johannes Krenn daran, als er auf Facebook von einem Quidditch-Probetraining in Graz gelesen hat. Neugierig ging er mit einer Freundin im Frühling 2017 in den Stadtpark, um die Reallife-Version des aus den Harry-Potter-Romanen und -Filmen bekannten Sports auszuprobieren. Zu diesem Training hatten zwei Wiener Quidditch-Vereine geladen, um die ungewöhnliche Sportart auch außerhalb der Bundeshauptstadt zu etablieren.

Und das mit Erfolg. Denn nicht nur Johannes, sondern auch einige andere Teilnehmer/innen, darunter der 26-jährige Oskar Schweighofer und die 20-jährige Anna Langmaier, wurden zu Gründungsmitgliedern der Graz Grimms, die nach einem intensiven Trainingssommer im Herbst 2017 schließlich einen Verein gegründet haben. Die Graz Grimms sind ein bunter Haufen aus Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus Graz und Umgebung, Burschen und Mädels, Sportbegeisterte und – ehemalige! – Couchpotatoes: „Oskar ist in letzter Zeit so viel draußen“, schwärmt dessen Freundin Bettina. Früher habe ihr Freund an einem schönen Sommertag bei zugezogener Jalousie FIFA gespielt, heute ist er als Obmann der Grimms ganz vorne mit dabei.
„Brooms up!“, ruft Oskar, und schon geht es los. Wir schwingen uns auf unsere Besen und starten auf der Pass­amtswiese mit dem Spiel. Leider fliegen wir nicht, immerhin sind wir Muggels, also Sterbliche im Sinne der Harry-Potter-Romane.

„Muggel-Quidditch“

StefanieKrois_GrazGrimms Quidditch

Der Schnatz: Ein Tennisball in einem Socken. Foto: StefanieKrois/GrazGrimms

Der „Besen“ – eine Stange zwischen den Beinen als Hommage an Harry P. – macht das Laufen komplizierter. Das Spiel ist vielleicht eine Mischung aus Völkerball und Rugby, die Regeln orientieren sich am Potter-Sport. Es gibt zwei gemischte Teams, jedes besteht aus drei Chasern, zwei Beatern und einem Seeker. Die Chaser haben die Aufgabe, einen Volleyball („Quaffle“) in das gegnerische – aus drei Ringen bestehende – Tor zu werfen (ein Wurf: 10 Punkte), die Beater wollen diese daran hindern. Bewerfen die Beater jemanden mit einem der drei kleineren Bälle („Bludger“), sind die Beworfenen „vom Besen gefallen“ und müssen zurück ans eigene Tor. Der Schnatz, im Original ein fliegender goldener Ball, ist hier ein/e zusätzliche/r Spieler/in mit einem an der Hose befestigten Tennisball-Socken. Wenn einer der beiden Seeker den Socken aus der Hose zieht, ist das Spiel vorbei – und seine Mannschaft bekommt 30 Punkte drauf.

Das Spielprinzip ist für Neulinge wie mich ziemlich komplex. Ich mime zunächst einen Beater – und schlüpfe gegen Ende kurz in die Rolle des Seekers. Anfangs ist es schwierig, dem eigenen Team zu Hilfe zu kommen, doch mit der Zeit gelingt es mir besser. „Ich seh schon, du wirst einer von den Lästigen“, ruft mir Daniel Kulmer, mein gegnerischer Beater, zu. Daniel hat Quidditch auf eureprojekte.at – einer Initiative des Bundeskanzleramts in Kooperation mit den Österreichischen Jugendinfos – eingereicht, dabei hat das Team 500 Euro als Starthilfe bekommen. Quidditch will eine richtige Sportart werden. Zurzeit gibt es in Österreich erst drei Vereine: Vienna Vanguards und Danube Direwolves in Wien und die Grazer Grimms – gemeinsam will man in Österreich weitere Vereine aus der Taufe heben und eine Bundesliga bilden.

StefanieKrois-GrazGrimms

Raffaels (Mitte) Probetraining fand an einem der echt kalten Märztage statt.
Foto: Stefanie Krois/GrazGrimms

Nerds und Motivierte

„Ich war komplett unsportlich. Mein Motto war: Was länger als eine Autolänge ist, wird gefahren“, plaudert der 24-jährige Johannes aus dem Nähkästchen. Doch Quidditch hat ihm „so viel Spaß gemacht, dass die Anstrengung in den Hintergrund gerückt ist“. Heute würde sich Johannes als „um einiges sportlicher“ bezeichnen als vor einem Jahr. Damit ist er bei den Grimms nicht allein.  Oskar bestätigt, dass all jene, die regel­mäßig trainieren, deutlich fitter als zuvor seien. Darunter unter anderem – aber nicht nur – „klassische Nerds, die nur gezockt haben“. Ein Team motiviert eben alle: „Wenn Training ist, ist Training. Solange es nicht hagelt, sind wir da“, bestätigt Anna. Und auch für mich als Couchpotato war der Selbstversuch für checkit wohl nicht mein letztes Training mit den Grimms …

RAFFAEL REITHOFER

 

fyi – for your info

Quidditch Graz Grimms: Probetrainings finden an einem Samstag pro Monat auf der Passamtswiese im Grazer Stadtpark statt. Termin wird auf facebook bekannt gegeben.
E-Mail

Dachverband

 

Beitragsbild: Stefanie Krois/Graz Grimms

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