Zankapfel Christkind vs. Weihnachtsmann

Alljährlich, wenn der Zauber der Weihnacht Gestalt annimmt, werden munter Wortgefechte ausgetragen, welche Gestalt das nun eigentlich sein soll … Wir haben Marie und Florian pro Christkind und pro Weihnachtsmann „streiten“ lassen.
Mayer

Marie Mayer ist freie Journalistin und lebt in Graz. Foto: Privat

CHRISTKIND: Marie

Sorry, Santa, aber das Christkind beschert uns mehr: Herzenswärme! 

Stell dir vor, du hast die Wahl: Pausbäckiger, alter Mann mit Bierbauch und Rauschebart oder fliegendes Engelchen mit goldlockigem Haar? Ein Rudel Rentiere, angetrieben von einer Herde von Elfen und Wichteln, oder eine magische One-Child-Show? Das Duell Weihnachtsmann vs. Christkind zählt wohl zu den härtesten Zweikämpfen der alljährlichen Weihnachtszeit. Und das macht diese nicht unbedingt besinnlich. Nicht nur zwischen den Regalen der verkitschten Kaufhäuser geht es lautstark her, auch beim Argumentieren, wer denn nun wirklich die Geschenke bringt, werden heiße Wortgefechte ausgetragen. Ich hab nichts gegen den Weihnachtsmann. Aber ganz ehrlich, auf seine Kommerzversion der plumpen, Cola-trinkenden Witzfigur, die mit polterndem „Ho, ho, ho“ durch Medien und Einkaufszentren tingelt, kann ich echt verzichten. Nicht jedoch auf das geheimnisvolle Christkind, das sanft und leise auf unbemerkte Art und Weise liebevoll Geschenke unter dem Christbaum drapiert, sich danach wieder auf den langen Weg hinauf ins Himmelszelt begibt und sich dort über den Anblick vieler leuchtender Augen freut. Sorry Santa, real gesehen magst du vielleicht die dickere Geldquelle sein, doch das Christkind lebt in der Gedankenwelt, beflügelt unsere Fantasie und beschert uns neben materialistischem Gut noch weitaus wichtigere Dinge: Herzenswärme und Gefühle nämlich. Und gerade die haben wir in einer so rationalisierten Welt wie heute bitter nötig.

WEEIHNACHTSMANN: Florian 

Florian Supé

Florian Supé befindet sich derzeit auf Auslandssemester in Sibirien / Foto: Privat

Es gilt, der verbreiteten „Santa Claustrophobie“ etwas entgegenzusetzen.

Im Ausblick auf die kommenden Vanillekipferlorgien wird wieder allerorts nach einem sportlichen Ausgleich gesucht – und was läge da näher als der Volkssport Weihnachtsmann-Bashing? Da darf man noch so richtig schimpfen: Kulturfremdling, amerikanisierender, seelenloser Scherge des Einkaufswahns! Vor allem die Großeltern: Das Christkind früher, das war noch was Bodenständiges! Mal abgesehen von der Frage, ob man ein fliegendes, zweitausend Jahre altes Baby bodenständig nennen kann, würde oft schon ein bisschen Aufklärung genügen, um die weitverbreitete Santa Claustrophobie einzudämmen. So wenig Tradition, wie oft behauptet, hat der Weihnachtsmann gar nicht. Er wurde keineswegs 1931 von Coca Cola erfunden, sondern geht auf verschiedene europäische Traditionen wie den belgischen „Sinter Klaas“ zurück. Seine heutige Gestalt als gütiger Alter mit Schnapsnase und Rauschebart verpasste ihm in den 1860er-Jahren ein deutsch-amerikanischer Cartoonist. Das Lied „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ ist sogar noch älter und stammt auch aus Deutschland.

Alles halb so wild, also weg mit den Engeln und her mit Rudolph! Das ‚Rentiert‘ sich! Der Weihnachtsmann steht schließlich dafür, worum es beim Fest der Liebe wirklich gehen sollte: Geschenke – um die Wirtschaft anzukurbeln und unsere Eltern vor der Arbeitslosigkeit zu bewahren! Außerdem lächelt er doch so lieb.

LR Ursula Lackner / Lunghammer


Mag.a Ursula Lackner, Landesrätin für Bildung und Gesellschaft

METAEBENE: Mag.a Ursula Lackner

Der wahre Wert des Festes liegt darin, sich Zeit füreinander zu nehmen.

Im Gegensatz zu Henne oder Ei herrscht wenigstens hier Klarheit, wer zuerst da war: Einst war es der heilige Nikolaus, der die Geschenke brachte. Historisch gesehen dürfte also der Weihnachtsmann mehr Jahre auf dem Buckel haben als das Christkind.

Mir persönlich gefällt dennoch das Christkind besser, lässt es doch der Fantasie mehr Spielraum, während der Kommerz vom ohnehin leicht vorstellbaren Weihnachtsmann ein deutliches Bild gezeichnet hat.
Aber im Grunde ist es einerlei, ob die Kinder entdecken, dass der Weihnachtsmann Papas Patschen anhat oder dass Mama des Christkindleins Glocke läutet. Der wahre Wert des Weihnachtsfestes liegt in der Ruhe, die sich nach dem meist gar nicht besinnlichen Advent über das Land legt; liegt darin, sich Zeit füreinander zu nehmen, beisammen zu sitzen, sich Aufmerksamkeit zu schenken und miteinander zu reden. Nur bitte nicht darüber, ob Christkind oder Weihnachtsmann.


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Beitragsbild: Holly Jones/Shutterstock; geralt/Pixabay

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