Ein Schlag Poetik ins Gesicht

Jazz-Slam, Hörsaalslam, Dialektslam, Schilcherslam … die steirische Poetry-Slamszene brodelt!

Seit dieses Literaturformat in den 90er-Jahren im deutschsprachigen Raum ankam, schlägt die Wortbombe ein – überall, wo sie auftaucht. Veranstaltungsreihen in großen und kleinen Städten schießen wie Pilze aus dem Boden, und auch die österreichischen Slam-Schwammerl darunter brauchen sich keineswegs zu verstecken. Poetische Gourmet-Abende dieser Art sind regelmäßig erlebbar und vor allem bei jungem Publikum beliebt, denn mit sogenannten „Wasserglaslesungen“ (das sind herkömmliche Literaturveranstaltungen, bei denen ein/e Autor/in bei einem Wasserglas sitzend vorliest und das Publikum still zuhört) haben sie kaum etwas gemeinsam.

Falls ihn doch jemand noch nicht kennt, der Poetry-Slam-Rahmen ist schnell abgesteckt: 12 Poetinnen und Poeten haben jeweils fünf Minuten Zeit, um das Publikum mit selbst geschriebenen Texten zu fesseln. Jedes Genre ist erlaubt, verboten sind Gesang und Requisiten. Ebenfalls möglich sind Texte zu zweit oder in einer anderen Sprache. Es gibt Gedichte, Geschichten, Emotionen, Tränen, Lachen und alles dazwischen. Die Energie ist spürbar und verbreitet sich von der Bühne aus auch in den Zuschauerraum, es wird ständig auf irgendeine Art interagiert. Dabei steht nicht allein der Text, sondern vielmehr die Performance im Mittelpunkt.

Jede/r kann sich vor das Mikrofon stellen, und gerade die vielen unterschiedlichen Zugänge machen einen Slam-Abend so abwechslungsreich. Am Ende stimmt die Zuschauerschaft ab, wer ins Finale kommt und letztlich die Siegerin/der Sieger des Abends ist. Für Neulinge, die sich das erste Mal auf die Bühne trauen, gibt es am Nachmittag vor der Veranstaltung meist einen Workshop.

DIE GRÜNE SLAM-MARK

Die steirische Szene ist in den letzten Jahren stetig gewachsen, kann auf ein beachtliches Stammpublikum zählen und hat als Standort in Österreich große Wichtigkeit. Die Zentren sind Graz und Leoben, doch ab und zu finden zusätzlich Veranstaltungen in St. Ulrich in der Südsteiermark oder Frohnleiten statt.

Ein Highlight ging übrigens kürzlich in Graz über die Bühne: Der Ö-Slam 2014, die Österreichische Meisterschaft, bei der sich Elias Hirschl durchsetzen konnte (Bild und Textausschnitt siehe links). Auch Poetinnen und Poeten aus ganz Deutschland sind des Öfteren bei Gastauftritten in der Steiermark zu erleben.

Das Genre boomt, die Szene brodelt und treibt immer wieder neue Auswüchse. Verschiedene Nischenveranstaltungen wie der Jazz-Slam, ein Hörsaalslam, der Dialektslam in Leoben, Charity-Slams, der Schilcherslam in St. Ulrich und diverse Workshops greifen geradezu tentakelhaft um sich.

Der wohl bemerkenswerteste Auswuchs dieser Slam-Krake ist die erste Grazer Lesebühne „Gewalt ist keine Lesung“, die seit Februar 2013 regelmäßig stattfindet. Auch hier geht es um live performte Literatur in bekömmlichen Häppchen, dargeboten von den derzeit sieben fixen Mitgliedern der Bühne. Durch den Abend führt mit Witz und Elan der derzeitige steirisch-kärntnerische Landesmeister Mario Tomic, der auch den bekannten Kombüsenslam organisiert. Im Unterschied zu herkömmlichen Slam-Veranstaltungen gibt es bei der Lesebühne keinen Wettbewerb und keine freie Anmeldeliste, dafür aber ein vorgegebenes Thema und einen Stargast.

FLORIAN SUPÉ

ELIAS HIRSCHL (Foto oben) ist der derzeitige österreichische Poetry-Slam-Meister. Lest hier einen Ausschnitt aus seinem Text „Ich hab mir eine rosa Brille gekauft“:

„Als Kind wurde ich von einem Maler gebissen. Seit dem habe ich eine Abneigung gegen die Bildende Kunst. Aber ich lehne Künstler nicht im Allgemeinen ab. Ich denk mir eh, wenn ich eine eigene Wohnung hab, leg ich mir vielleicht mal einen Künstler zu. Songwriter sollen ja auch ganz gut mit Kindern können, hab ich gehört. Und im Gegensatz zu den Bildenden Künstlern fühlen die sich auch auf engem Raum wohl, dann brauch ich kein schlechtes Gewissen haben, wenn ich mir einen in der Stadt halte …“

INFO

www.facebook.com/SteiermarkPLuS
www.facebook.com/gewaltistkeinelesung
oeslam.backlab.at/
poetryslam.at
miezemedusa.com/slam

Foto: Christian Schreibmüller

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