„Ich glaube, dass es wieder mehr Inhalte braucht!“ – Colin Hadler im Interview

Der Grazer Schüler Colin Hadler (17) hat gerade seinen ersten Roman veröffentlicht: „Hinterm Hasen lauert er“. 

Was fasziniert dich am Schreiben?
Das auszudrücken, was man selbst denkt. Und ich finde es faszinierend, dass ich Leute damit erreichen kann. Ich schreibe Bücher, bei denen ich mir gedacht habe: Wenn ich in diesem Alter gewesen wäre, hätte ich das sicher gern gelesen.

Es ist in deinem Alter ein seltenes Hobby, Bücher zu schreiben. Wie bist du dazu gekommen?
Diese Frage überrascht mich jetzt. Mir war langweilig. Ich glaube, viele Jugendliche, die in meinem Alter sind und Langeweile haben, beschäftigen sich mit Smartphones, gehen mit Freunden weg. Und ich habe gesagt: Ich will was erschaffen. Und dadurch war die Langeweile gut für mich. Da hast du Zeit, zu reflektieren, da hast du Zeit, zu erschaffen. Wenn man es klischeehaft ausdrückt, habe ich seit meiner Kindheit einen Drang zum Schauspielen. Dann habe ich bei einem Redewettbewerb gemerkt: Ich kann die Texte nicht nur präsentieren, ich kann sie auch selbst schreiben. Und das hat mich dann auf die Idee gebracht, das Buch zu schreiben.

Gehst du mit einer fertigen Idee ans Schreiben heran oder ergibt sich Geschichte beim Schreiben?
Das ist von Buch zu Buch unterschiedlich. Beim „Hasen“ wars wirklich so, dass ich einfach nur zu schreiben angefangen und gesagt habe: Hey, ich will jetzt Leute zum Lachen bringen, das war meine erste Intention. Und dann habe ich nach ein paar Kapiteln gemerkt: Okay, das könnte sich zu einer tiefgründigen Story hin entwickeln und habe dann den Anfang so verändert, dass er wieder zum Ende passt. Daran merke ich, dass ich schreiben kann: Ich setze Dinge in den Raum. Ich beschreibe am Anfang eines Buches, dass jemand verschwindet oder, dass der Wald so heißt. Manchmal weiß ich gar nicht, warum ich das mache. Und dann, am Schluss weiß ich: Das musste deswegen gewesen sein, das ist eigentlich ganz logisch.

Lesen deine Freundinnen/Freunde?
Nein. Das Buch wurde für Leute geschrieben, die nicht lesen. Ich habe Workshops an Schulen, wo die Schüler sagen, sie haben noch nie ein Buch gelesen, aber nach meinem wollen sie auch weitere Bücher lesen.

Was sagt deine Familie zu deinem Hobby?
Also, meine Mutter hat es am Anfang gar nicht geglaubt: „Jaja, Colin, schreib ruhig mal ein Buch, genau.“ Als ihr dann wirklich der Vertrag vom Verlag vorgesetzt wurde, war sie schon sehr überrascht.

Es geht in deinem Buch um eine mysteriöse Gestalt mit einer Hasenmaske, die dem Hauptcharakter Finn das Fürchten lehrt. Wieso ausgerechnet ein Hase?
Keine Ahnung (lacht). Am Schluss des Buches erkläre ich es dann schon, warum es ein Hase ist. Aber ich glaube, die Figur ist mir durch plötzliche Eingebung eingefallen.

Hasen sind ja eigentlich eher harmlose Tiere.
Das ist ja auch die Quintessenz, dass das eigentlich harmlose Tiere sind. Aber da will ich nicht zu viel verraten.

Die Charaktere sind ganz schön originell. Ein Reformhaus-Besitzer, der Kundinnen und Kunden nur mit Feigenblatt bekleidet bedient … Wie kommt man auf solche Ideen?
Ich glaube, ich bin selbst eine verrückte Person. Und dadurch, dass ich Risiken eingehe – wenn ich zum Beispiel von einem Tag auf den anderen mit ein paar Freunden nach Italien fahre – lerne ich auch skurrile Persönlichkeiten und neue Dinge kennen. Ich glaube, das ist auch wichtig. Wenn man sich immer in seinem Zimmer einsperrt, wird man nie solche verrückten Eingebungen haben.

Du behandelst auch sehr ernste Themen im Buch (erschienen im Verlag Keiper, Anm.). Hast du selbst Erfahrungen mit Cybermobbing?
Ja, ich glaube, damit hat jeder Kontakt. Früher haben wir uns mit den Besten aus der Schule verglichen oder mit Bruder oder Schwester. Heute müssen wir uns mit der ganzen Welt vergleichen. Immer, wenn du etwas machst, gibt es wen, der es besser macht. Egal, wie du aussiehst, es gibt immer Schönere – dadurch, dass du mit der ganzen Welt vernetzt bist. Weil du diesen Druck hast, neigen die Leute auch dazu, andere runterzumachen, um selbst nicht so ausgeliefert zu sein.
Du spielst auch Theater – könntest du dir vorstellen, den „Hasen“ auch auf die Bühne zu bringen?
Wenn, dann nur als ganz skurrile Theaterproduktion.

Du widmest das Buch „allen Menschen, die noch Bücher lesen“ … 
„Alle Leute, die noch Bücher lesen“ ist eigentlich ein ganz lustiger Satz am Anfang. Denn, wenn du dieses Buch gekauft hast, liest du es ja automatisch. Ich glaube schon, dass Bücher wieder im Kommen sind. Viele Jugendliche achten jetzt bewusst darauf, weniger am Smartphone zu sein. Ich glaube, diese Extreme gleichen sich wieder aus, es wird nicht noch extremer. Ich glaube, dass es wieder mehr Inhalte braucht. So ein neuer Inhalt ist auch dieses Buch, weil es von einem Jugendlichen für Jugendliche geschrieben wurde. Und da braucht es Leute, die den ersten Schritt machen und sagen: Wir schreiben für diese Zielgruppe.

RAFFAEL REITHOFER

 

fyi – for your info 

Colin Hadler
Hinterm Hasen lauert er
Colin Hadler
Edition Keiper, 2009

 

 

 

 

 

Beitragsbild: Reithofer














 


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