Info-Fetzen-Markt in Social Media

Wieso sollte man Zeit und Geld damit verschwenden, Nachrichten im Fernsehen anzuschauen oder Zeitung zu lesen? „Die“ schwafeln doch nur, ist doch uninteressant, und die Wahrheit bringen sie eh nicht …

… So denken viele Jugendliche und informieren sich lieber über Facebook. Bilder mit ein paar Zahlen und Fakten wandern über Tausende Bildschirme, wirken meinungsbildend und erzeugen Strohfeuer, hinter denen oft nichts steht als eine Falschinformation. Wahre Hass­tiraden können so ausgelöst werden, gegen Einzelpersonen oder Gruppen. Parade­beispiel dafür sind „die“ Asylwerber/innen. Ob die Informationen aus dem Zusammenhang gerissen oder manchmal auch schlichtweg falsch sind, interessiert viele nicht. Sie wollen lesen, was ihre eigene Meinung bestärkt. Überlegen wir doch mal, wie Infos auf Facebook einen finden:

Jede/r umgibt sich im Internet (wie auch im echten Leben) vorrangig mit Leuten, die die eigene Meinung zu vielen Themen teilen. Im Unterschied zum Offline-Alltag werden Menschen, die eine unliebsame Weltsicht vertreten, einfach aus der „Blase“ gekickt, aus der wir unsere Informationen haben. Somit bleiben nur jene als Informationsbringer übrig, die einen in seiner Meinung bestärken.

Aufregerposts

Ein besonderes Problem sind kurze „Aufregerposts“, die nur aus wenigen Sätzen bestehen und tausendfach geteilt werden. Darin steht dann etwa ein riesiger Geldbetrag, den Asylwerber/innen fürs „Nichtstun“ bekommen würden.*
Vorsicht ist bei solchen Infomemes immer geboten, wenn keine (seriöse) Quelle genannt wird. Es ist doch recht lustig, wie manche Kritiker/innen von obskuren Websites aus große Zeitungen und Nachrichtenkanäle der Lüge bezichtigen, während sie selbst erst gar nicht angeben, woher sie ihre „Fakten“ haben.

Natürlich ist es einfacher, Nachrichten zu konsumieren, die aus zwei Sätzen bestehen. Das kurze Aufflackern des Hasses ist leichter verdaulich, wenn danach ein lustiges Katzenvideo kommt. Nur leider ist die Welt kompliziert. Wenn man informiert sein will, bleibt einem nicht erspart, ausführlichere Berichte zu lesen. Hat man darauf keine Lust und möchte kurze Nachrichten online sehen, sollte man wenigstens vertrauenswürdige Quellen liken.

Ein gutes Beispiel ist hier die Facebookseite der Zeit im Bild. Deren Redakteurinnen und Redakteure nehmen regelmäßig „Aufregerposts“ unter die Lupe und prüfen die Behauptungen nach. Hier bekommt man auch einen guten Überblick über das restliche Weltgeschehen. Komplizierte Themen werden in kurzen Videos einfach erklärt, dazu braucht man nicht viel Hintergrundwissen.

Eine längere Beschäftigung mit einem Thema können diese seriösen Infofetzen auch nicht ersetzen. Doch sie verbreiten zumindest keine Falschinformationen.

FLORIAN SUPÉ


* Um diesen Irrtum aufzuklären: 

Bei besagten Darstellungen wird oft mit der Mindestsicherung inklusive Familienbeihilfe gerechnet, die ANERKANNTE Flüchtlinge, deren Asylverfahren positiv abgeschlossen wurde, bekommen. Dieser Betrag steht ihnen genauso zu wie jedem/r Österreicher/in mit Anspruch auf Mindestsicherung. Eine fünfköpfige Familie von Asylwerberinnen und -werbern – also Mutter, Vater und drei minderjährige Kinder –, die selbst Miete, Nahrung und Kleidung bezahlen müssen, bekommt in Österreich insgesamt ca. 910 Euro monatlich.

Zum Vergleich: Eine fünfköpfige österreichische Familie, die Leistungen aus der Mindestsicherung bezieht, hat zumindest 2.200 Euro zur Verfügung. Diese Zahlen stammen vom Flüchtlingshilfswerk der UNO.

Foto: knallgruen/Photocase.de

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