Mut zur Lücke – der Trend zum Gap Year

Ein Gap Year muss keine Lücke im Lebenslauf hinterlassen. Immer öfter entscheiden sich junge Leute dafür.

Es gibt einen neuen Trend: Absolventinnen und Absolventen überbrücken die Zeit zwischen Matura und Studium oder zwischen Bachelor und Master mit einem Gap Year, einem Jahr, das vor allem die Persönlichkeit bilden soll. Bei der Organisation ihres „Abenteuers” werden junge Menschen von Unternehmen wie TravelWorks unterstützt. Dabei ist von Freiwilligenarbeit, Sprachreisen, Auslandspraktika bis zu Aufenthalten als Au-pair alles möglich. Als TravelWorks 1991 gegründet wurde, organisierte es nur Sprachreisen, die im Schnitt zwei bis drei Wochen dauerten. „Das Thema ,Gap Year’ war damals nicht inexistent, aber auch nicht wirklich aktuell”, erklärt Geschäftsführerin Tanja Brandt.

Doch in den letzten Jahren hat sich einiges getan, auch in Österreich findet sich neben Studium und Arbeit eine dritte Möglichkeit nach dem Schulabschluss. „War die Bereitschaft vor einigen Jahren einer unbezahlten, freiwilligen Tätigkeit nachzugehen noch geringer, sind junge Erwachsene heute wesentlich offener dafür. Im Vordergrund steht die Erfahrung an sich“, ergänzt Eva-Maria Wirl für den Standort in Österreich, wo es noch wesentlich schwieriger ist, Visa für längere Auslandsaufenthalte zu bekommen. In Schweden zum Beispiel ist das umgekehrt: Ein – oder auch zwei – Gap Year(s) nach der Schule sind keine Seltenheit. So finden sich in Lebensläufen von Wirtschaftsstudierenden auch Jobs bei Fast-Food-Läden und Sprachauf­enthalte.


ALEXANDRA POLIČ

Malin Bokstroem

Foto: Alexandra Polič

LERN-MODUS. „Da man sozusagen ohnehin im ,Lern-Modus‘ ist, ist es einfacher, direkt vom Gymnasium an die Uni zu gehen – außerdem hatte ich keinen Job oder eine Idee, was ich sonst machen sollte. Ich wusste, dass ich meinen Master dann mit 24 haben würde – und da viele ein Gap Year machen, ist das in Schweden wirklich jung. Für meinen Traumberuf brauche ich ein abgeschlossenes Studium, also war es für mich das Beste, gleich zu studieren.“ Malin Bokström, Studentin in Stockholm

Jaqueline Winkler

Foto: Marina Pichler

TOLL. „Nach der Matura habe ich für neun Monate als Au-pair in England gelebt. Als Überbrückung, ich hatte einfach keine Ahnung, was ich studieren sollte. Es war eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Ich hab tolle Erfahrungen gemacht, viel über mich selbst gelernt und großartige Menschen getroffen. Das Gefühl, ein Jahr ,verloren zu haben‘, hatte ich nie.“ Jacqueline Winkler, Straßwalchen, Salzburg

Elisabeth Grabner

Foto: Privat

ZEITVERLUST. „So erfahrungsreich ein Gap Year auch sein mag, es lässt sich nicht wegleugnen, dass es jede Menge Zeit und Geld verschlingt. Es gibt viele andere Optionen, um in fremde Länder und Kulturen hineinzuschnuppern: Auslands­praktika, Schüleraustausch, Auslandssemes­ter, … Warum also Zeit verlieren, wenn ich auch im Rahmen des Studiums auf Reisen gehen kann?“ Elisabeth Grabner, Sankt Barbara

Emelie Ekman

Foto: Alexandra Polič

ERFAHRUNG. „Nach dem Abschluss habe ich ein halbes Jahr als Supplierlehrerin an meiner alten Schule gearbeitet und nebenbei einen Uni-Kurs belegt. Danach bin ich durch die USA gereist. Davor wollte ich unbedingt Journalismus studieren, aber durch das Gap Year hatte ich andere Perspektiven und heute studiere ich Medientechnologie. Schulbildung ist wichtig – aber auch durch Arbeit und Reisen kann man Erfahrung sammeln, die es einem erleichtern, die ,richtigen‘ Entscheidungen zu treffen.“ Emelie Ekman, Studentin in Stockholm

 

Mehr Infos zum Gap Year auf:
travelworks.at
afs-auslandsjahr.at
esl-sprachreisen.at
Beitragsbild: Pixabay

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