Pro & Contra: Homosexuell + Heirat?

Sollen Ehe, Kindersegen und Adoption in Österreich auch für gleichgeschlechtliche Paare möglich sein?  Wir haben das heiße Eisen in die Hand genommen.
Mayer

Marie Mayer ist freie Journalistin und lebt in Graz. Foto: Privat

PRO: Marie

Wir sind alle Menschen. Ganz egal, ob homo, hetero oder bi. 

Es mag für viele den Anschein haben, als würde sich in Bezug auf Homo-Rechte alles zum Besseren gewandt haben. Weit gefehlt. Denn während man in manchen Teilen der Welt Schritte in die richtige Richtung unternommen hat, tritt man in vielen anderen auf der Stelle oder bewegt sich gar zurück.

In 76 Ländern stellt die Homosexualität nach wie vor ein Verbrechen dar. In zehn davon kann sie sogar das Leben kosten. 2,8 Milliarden Menschen leben in Staaten, in denen Homosexuelle im Falle eines Outings um ihre Familie, Freiheit und Sicherheit fürchten müssen. Nicht nur Eheschließungen und Adoptionen sind meist unmöglich oder mit erheblichen Stolpersteinen verbunden.

Auch in zahlreichen anderen Bereichen wird mit zweierlei Maß gemessen. Diskriminierung und Gewalt am Arbeitsplatz und in der Öffentlichkeit sind auch heute noch keine Seltenheit. Es gibt kein Land auf dem Globus, in dem Homos die gleichen Rechte genießen wie Heteros. Da helfen Zugeständnisse wie eine eingetragene Partnerschaft als Ehe-Ersatz auch nicht wirklich.

Denn in Wahrheit geht es nicht um die paar Tausend, die von dieser Möglichkeit dankbar Gebrauch machen. Es geht um Millionen von Menschen, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung ungleich behandelt werden. Dabei heißt homo Mensch. Und Menschen sind wir alle. Mit guten und schlechten Eigenschaften. Welche davon überwiegen, ist selbstverständlich von jeder/jedem persönlich abhängig. Ganz egal ob homo, hetero oder bi.

CONTRA: Viktoria 

Thinkstock

Viktoria Gest studiert in Graz Medizin. Foto: dzima1/Thinkstock

Als Normalo fühlt man sich in einer künstlich gehypten Welt verloren.

Ich bin nicht mit Ganzkörpertattoos geboren worden, habe weder Gummibusen noch Neurosen, homo bin ich auch nicht und Kindheitstraumata müsst ich erfinden. Also was, zum Henker, mach ich bloß, ums endlich in die Schlagzeilen zu schaffen?! Werden Menschen nur noch wahrgenommen, wenn sie „anders“ sind?

Warum interessiert sich plötzlich jede/r dafür, ob Homo-Ehe okay ist oder nicht? Muss denn eine private sexuelle Neigung der Ehe gleichgestellt werden?

Ich sage: Nein.

Förderungen, Geldmittel sowie die ganze Aufmerksamkeit der Medien sind heute auf der Seite jener, die sich abseits unserer Gesellschaftsnorm bewegen und scheinbar besonderer Zuwendung bedürfen. Die Mittel, „besonders“ zu sein, sind allesamt recht. Und billig, wie ich finde. Normalos bleiben auf der Strecke!

Wie geht’s jenen „Unbunten“ unter uns, die täglich schuften und sich gerade mal knapp über der Armutsgrenze halten? Wie geht’s deren „normalen“ Kindern? Leihmutterschaftsbörsen und Samenbänke für homosexuelle Ehepaare mit Kinderwunsch könnten immerhin lukrative Nebenjobs für jene bieten, die sich sonstwie über Wasser halten.
Wir sollten endlich aufhören, uns von gesteuerten Medien manipulieren zu lassen, nur um von wahren Sorgen und Nöten unserer Mitmenschen abzulenken. Denn DAS ist wahrhaftig abnorm an der Debatte, nicht Homosexualität an sich.

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Foto: SPÖ / Sudy

METAEBENE: Mag.a Ursula Lackner

Beziehungen sind mehr als Liebe. Man übernimmt Verantwortung.

Die Ehe zwischen Mann und Frau war einst als Konzept mit einer spirituellen Idee verknüpft und zugleich eine Wirtschaftsgemeinschaft – wichtig in einer Zeit ohne Krankenversicherung und Pension.

Die Liebesheirat ist hingegen eine junge Form der Ehe, ebenso die Ehe als staatliche Institution, zivilrechtlich am Standesamt geschlossen, in der zwei Menschen Verantwortung füreinander übernehmen.

Beziehungen sind noch immer mehr als Liebe.

Sie umfassen Bereiche wie Eigentum, persönliche Lebenslagen wie Krankheit, Erbschaft, Verwandte, Kinder (z. B. aus einer vorhergehenden Beziehung) etc. In Demokratien müssen Staat und Kirche klar getrennt werden.

Der Glaube ist eine persönliche Entscheidung, der Staat hat für alle eine grundlegende Bedeutung. Daher ist der Ausschluss gleichgeschlechtlicher Menschen, die füreinander einstehen wollen, von der Möglichkeit, zu heiraten, nicht nachvollziehbar.


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Beitragsbild: nito/Shutterstock

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