Pro & Contra: „Neee! Net cool, heast!“

Kartoffeln oder Erdäpfel? Cool oder lässig? Oder ist es total „wurscht“, ob Österreichisch mit Deutsch, Englisch oder sonst noch was „verziert“ wird?

Marie Mayer ist freie Journalistin und lebt in Graz. (Foto: Privat)

PRO: Marie

Take it easy! Sprache lebt und Internationalität ist ein fixer Bestandteil.

„Midseason-Sale im Shoppingcenter!“ Während dieser Aufruf die einen ganz happy stimmt, stößt er anderen sauer auf, ist er doch geprägt von Anglizismen. Die scheinen weniger Seltenheit, sondern fixer Bestandteil der deutschen Sprache zu sein. Sprachwissenschaftler/innen wittern darin eine Gefahr, Kritiker/innen zeichnen eifrig Worst-Case-Szenarien wie die Ausrottung des deutschen Wortschatzes. Tatsächlich gehörten Fremdwörter aber immer schon zum Gebrauch der deutschen Sprache. Waren einst „Portemonnaie“, „Trottoir“ oder „Malheur“ gängige Begriffe, haben heute „Baby“, „Handy“ und „E-Mail“ Einzug gehalten und sind auch nicht mehr wegzudenken. Diese zu verteufeln, ist also wirklich übertrieben. Man bedenke auch, dass viele Fachbegriffe der lateinischen und englischen Sprache entspringen, Tatsache! Und das ist auch gut so. Immerhin erleichtert die Standardisierung die internationale, kulturübergreifende Kommunikation. Zugegeben, man könnte darüber nachdenken, Abstriche zu machen und „lässig“ statt „cool“ oder „schlecht gelaunt“ statt „down“ zu sagen. Aber eine Sprache lebt nun einmal und ist stets im Wandel.
Nicht zu vergessen: Wir sind es selbst, die die Sprache lebendig machen. Unsere eigene Wortwahl spiegelt daher auch immer ein Stück unserer Kultur wider. Dass Anglizismen oder auch Einflüsse anderer Sprachen im Deutschen gängig sind, liegt
somit in unserem Mund. Also, „take it easy“, nimm‘s leicht!

Romana Jantscher studiert Journalismus und PR an der FH Joanneum in Graz. (Foto: Privat)

CONTRA: Romana

Es wäre schade um den österreichischen Schmäh in unserer Sprache.

„Kannst du mir bitte die Konfitüre geben?“, fragt Anna beim Frühstück. „Ja, hier“, sagt die Mama, „aber bei uns heißt die immer noch Marmelade!“ Solche Situationen hat wahrscheinlich jede/r von uns schon erlebt. Viele trinken ihren Tee eher aus einer Tasse als aus einem Häferl, belegen die Pizza mit Tomaten statt mit Paradeisern oder essen Kartoffelsalat anstelle von Erdäpfelsalat. Sogar meine Word-Rechtschreibprüfung hat soeben alle drei österreichischen Varianten rot unterwellt. Was sagt uns das? Unsere Alltagssprache wird heute nicht nur von Anglizismen beeinflusst, sondern ist auch von bundesdeutschen Begriffen geprägt. Alltagssprache ist lebendig und verändert sich. Das ist nichts, wovor man sich fürchten muss. Das aufgesetzte Mundart-Getue mancher Politiker/innen finde ich oft sogar maßlos übertrieben. Sie heften sich Tradition an die Fahne, doch wollen sie eigentlich nur mehr Wähler/innen. Es sollte aber weniger um Tradition als um Identität gehen. Das Österreichische mit all seinen Dialekten ist Teil unserer Kultur. Bitte nicht falsch verstehen! Nur weil ich „Servus“ statt „Guten Tag“ sage, heißt das noch lange nicht, dass ich etwas gegen Deutsche, Amerikaner/innen, Iraner/innen oder sonst wen habe. Der Punkt ist, dass viele österreichische Ausdrücke mehr Charme, Schmäh und auch Originalität haben als standard­deutsche, oder? Ich fände es traurig, wenn Wörter wie Mascherl, Busserl, wuarscht, Glumpert oder Kipferl irgendwann nicht mehr aus unseren Mündern ertönen würden.

SPÖ_Sudy

Foto: SPÖ / Sudy

METAEBENE: Mag.a Ursula Lackner

Bitte keine Sprachpolizei, aber vergessen wir unsere Sprache nicht!

„Tschüss“ statt „Pfiati“, „lecker“ statt „gut“, „da kannste mal sehen“ statt „siehst du!“ Es ist alles nicht mehr so wie früher, klagen viele Steirer/innen. Und haben recht damit. Es ist nicht mehr alles so wie früher. Und das ist gut so. Ich möchte nicht in Zeiten leben, in denen die Ohrfeige Erziehungsalltag war, in denen Frauen nicht wählen durften, in denen auf der Mur dicke Schaumkronen schwammen, weil sie so verdreckt war.
Das Einzige, was Bestand hat, ist die Veränderung, heißt es. Das gilt auch in der Sprache. Sie lebt, wandelt sich – stetig, jeden Tag. Eine Sprachpolizei halte ich für entbehrlich, genauso wie Wichtigtuer/innen, die dauernd korrigierend Gespräche unter­brechen. Wichtiger erscheint es mir, Kinder und Jugendliche auf traditionelle Wörter aufmerksam zu machen und sie ihnen näherzubringen. Wer einmal hört, dass „Pfiati“ eine Kurzform von „Behüt dich Gott“ ist, bei dem bleibt das hängen.

 

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Beitragsbild(Grafik): geralt/Pixabay

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