Neues aus der Schule: Soll ich meine Lehrer/innen duzen?

Wieso es wichtig ist, Dinge zu lernen, ob man seine Lehrer duzen sollte und wieso das Kreuz ihrer Meinung nach ins Klassenzimmer gehört, erklärt Schulratspräsidentin Elisabeth Meixner im checkit-Interview.

Mit welchen Anliegen suchen Schüler und Schülerinnen besonders oft die beratende Hilfe des Steirischen Landesschulrats?
Am häufigsten handelt es sich um die Schullaufbahnberatung, Schüler/innen wollen sich manchmal informieren, welche Lehre oder welche Schule auf ihre Begabungen und Neigungen hin zutreffend ist. Oder sie wollen sich umorientieren.

Oft kommt es vor, dass sich Eltern sehr stark in die schulischen Angelegenheiten ihrer Kinder einbringen. Wie sehr sollten sich Eltern beim Lernen ihrer Kinder beteiligen? Ist das Verbessern der Hausübung schon zu viel?
Lernen und Verstehen soll das Kind sowohl in der Schule als auch im Leben. Bei Unklarheiten sollen allererst die Lehrer/innen gefragt werden. Ich hoffe doch, das ist in der Regel so. Die Hausübung ist zur Vertiefung gedacht. Es ist jedoch naheliegend, dass ein Kind seine Eltern oder manchmal ältere Geschwister bei Problemen nach Möglichkeit zu Hilfe ruft. Ich wünsche mir viel Interesse der Eltern am schulischen Geschehen. Hier ein Appell an die Eltern: Liebe Eltern, fragt eure Kinder, zeigt Interesse! Wer sind die Freunde, was geht in den Köpfen eurer Kinder vor? – Es darf für die Kinder zwischendurch auch anstrengend sein, nach dem Prinzip: fordern, nicht überfordern.

Grafik: Kropekk/Pixabay Schule

Grafik: Kropekk/Pixabay

Im Laufe des Schuljahres gibt es immer wieder Zeiten, in denen es besonders stressig ist und man für viele Fächer auf einmal lernen muss. Wie kann man da den Überblick behalten und sich alles merken?
Den Anschluss nicht verlieren. Nicht alles auf den letzten Moment hinausschieben. Strukturieren, dazu gehört auch eine sinnvolle vorausschauende Zeiteinteilung. Wir haben dazu auch auf unserer Internetseite, www.lsr-stmk.gv.at wertvolle Tipps erarbeitet. Eine gewisse Stressresistenz ist jedoch gerade in höheren Schulen wichtig, als Ausgleich genug Bewegung und gesunde Ernährung. Zwischendurch loslassen und abschalten.

Was kann ich tun, wenn ich als Schüler das Gefühl habe von meinen Lehrern ungerecht behandelt zu werden?
Prinzipiell ist es immer gut, wenn man mit dem Lehrer spricht und ihm das Problem sehr ernsthaft mitteilt, durchaus behutsam die Gefühle anspricht. Wenn das nicht hilft, soll man sich an den Klassenvorstand oder an eine/n Vertrauenslehrer/in wenden. Der Klassenvorstand nimmt in der Klasse meist eine mütterliche oder väterliche Rolle ein. 

Bei wem kann man sich melden, wenn man sich von anderen Schülern oder Lehrern sexuell belästigt fühlt, man aber nicht unbedingt mit einem anderen Lehrer darüber sprechen will?
In den auf die Steiermark aufgeteilten Beratungsstellen der Schulpsychologie oder direkt bei uns. Es wird hier alles sehr feinfühlig, behutsam und diskret behandelt. Sexuelle Belästigungen sind Straftaten und Straftaten gehören angezeigt. Sollte bei mir ein Verdacht geäußert werden, würden wir sofort aktiv werden. Das ist unser selbstverständlicher Auftrag. 

Eine Grauzone zwischen Schüler/innen und Lehrer/innen ist oft das Internet. Viele Schüler kennen sich in diesem Bereich besser aus als ihre Lehrer/innen. Wie wichtig ist es für Lehrer/innen, sich mit Trends auseinanderzusetzen, die Jugendliche bewegen?
Ganz so dramatisch sehe ich das nicht. Viele ältere Lehrer/innen und junge Lehrer/innen, die nachrücken, kennen sich in diesen Bereichen sehr gut aus. Das Bildungsministerium setzt mit den Pädagogischen Hochschulen zurzeit intensiv auf Fortbildung im Bereich der modernen Kommunikationstechnologien und der spezialisierten digitalen Welt.

Viele Sachen, die man in der Schule lernt, könnte man innerhalb von Sekunden im Internet nachschlagen. Wieso ist es dennoch wichtig, manche Sachen auswendig zu lernen?
Wissen muss bis zu einem gewissen Grad selbständig abrufbar sein, sonst kann man sich später keinen abstrakten Themen widmen und wird ein Problem haben, Teil der Gesellschaft zu sein. Zudem macht das Training des Gehirns in jungen Jahren aber auch später Sinn, ansonsten wäre eine Matura oder ein Universitätsstudium ein schwieriges Unterfangen. Es geht hier schlichtweg um Bildung des Menschen, der Gesellschaft. Die grundlegende Bildung in allen Ausprägungen ist das Spiegelbild einer Hochkultur.

Oft gibt es in einer Klasse Schüler/innen mit verschiedensten Religionsbekenntnissen. Wird es in naher oder ferner Zukunft noch Religionsunterricht geben, so wie wir ihn heute kennen?
Davon gehe ich aus, vielleicht in leicht veränderter Form. Das Christentum ist Teil unserer westlichen Kultur, Teil unserer Lebensgemeinschaften. 

Gehören Kreuze und das Morgengebet ins Klassenzimmer?
Das Kreuz ist Teil unserer Kultur, unserer Rituale, unseres Brauchtums. Ich erwarte mir gewissermaßen, dass sich Menschen, die aus anderen Nationen zu uns kommen, bemühen, sich hier zu integrieren. Beim  Morgengebet kommt es auf die Schulform an, darauf, wie hoch der Anteil der Kinder ist, die der christlichen Glaubensgemeinschaft angehören. Auch unterschiedliche Religionen kann man in gemeinsamen Ritualen und Feiern behutsam abstimmen, erzählen uns engagierte Schulleiter/innen.

Sollten Lehrer weiterhin gesiezt werden, oder sollte das Duzen Einzug ins Klassenzimmer halten?
Auf keinen Fall ist das Du angebracht. Da gibt es für mich klare Grenzen, sobald Kinder zwischen Du und Sie unterscheiden können. Das ist Teil unserer gelebten Kultur und daher für mich zurzeit kein Thema. Ein Lehrer muss Kinder mögen und schätzen, und doch braucht es diesen notwendigen kleinen „Respektabstand“. Ich kenne viele Beispiele, wo die Klasse dem/der Lehrer/in im klassischen Sinne „entglitt“ und Chaos übrigblieb. Das wollen auch die Eltern nicht, schon gar nicht die Kinder.

PHILLIPP ANNERER

 

fyi – for your info

www.lsr-stmk.gv.at

 

Beitragsbild: Thomas Raggam

 

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