Pro & Contra: Soziales Jahr

PRO

MarieMayer_2014

Foto: Privat

 

EIN SOZIALES JAHR IST EINE SINNVOLLE ÜBERBRÜCKUNG UND ENTWICKLUNGSZEIT

 

 

 

„Nie mehr Schule, keine Schule mehr“, ist oft der erste Gedanke jeder Schülerin/jedes Schülers, wenn die lern­intensive Zeit gegen hippe Freizeit eingetauscht wird.

Doch nach der ersten Euphorie drängt sich bald der Ernst des Lebens auf. Viele sind unentschlossen, wissen nicht wirklich, welche berufliche Richtung sie einschlagen wollen. Nicht ganz verwunderlich, wenn man bedenkt, dass die Schulzeit zu mehr als 50 Prozent aus Theorie besteht. Wie der Hase läuft, zeigt einem halt nur die Praxis!

Ein Freiwilliges Soziales Jahr ist die ideale Gelegenheit, diese kennenzulernen!

Diese Arbeit liefert wichtige Impulse für die persönliche Weiterentwicklung und pusht den Selbstfindungs- und Orientierungsprozess enorm. Die Begegnung mit unterschiedlichen Menschen, das aktive Einbringen und Mitgestalten in der Gesellschaft stärken die Soft Skills und beeindrucken später die Arbeitgeber/innen.

Für manche Ausbildungen oder Studiengänge kann diese Zeit außerdem als (Vor-)Praktikum oder Anerkennungsjahr gerechnet werden und Sonderpunkte bei der Bewerbung liefern. Ja und auch für jene, die zwar bereits wissen, wohin ihre Reise gehen wird, die auf ihren gewünschten Ausbildungs- oder Studien­platz aber noch warten müssen, kann es eine sinnvolle Überbrückung sein. In jedem Fall verbessert man nicht nur die Welt aktiv ein Stückchen, sondern vor allem auch sich selbst!

 

CONTRA

CarolineKulmhofer_image001

Foto: Privat

 

ECHTE VERÄNDERUNG BRAUCHT ZEIT, KEINE INSTANT-SOZIALERFAHRUNG

 

 

 

Reisefieber unterstelle ich erstmal gar nicht, sondern gehe vom innigen Verlangen aus, etwas in der Welt bewegen zu wollen.

Kinderprojekte in Thailand oder Jugendfarm in Kenia … Bis zu zwölf Monate im Dienst des Guten? Dadurch verliert man Zeit.

Schon die Monate zwischen Matura und Studium, Schulabschluss und Lehrbeginn reichen aus, den Horizont zu erweitern. Auch gibt es alternative Auslands­erfahrungen wie Austauschprogramme und Semesteraufenthalte in Studium und Schule. Das Soziale Jahr hat viele Folgen: finanzielle Abhängigkeit von den Eltern, Aufschieben der Ausbildung und des „Lebensplans“. Auch ist die Phase nach dem Sozialen Jahr oft von Resignation und nicht von weiteren guten Taten gekennzeichnet.

Ein eindeutiges Zeichen, dass kein wirklicher Wandel stattfindet, ist der Mangel an Nachwuchs in Sozialberufen. Diese harte Aufgabe will man am Ende doch nicht übernehmen. Die berufliche Orientierung ist oft danach genauso unklar wie davor. Wie wäre es stattdessen mit Engagement beim Roten Kreuz, bei karitativen Vereinen …?

Hier permanent anzupacken, auch in geringem Zeitausmaß, ist weitaus effektiver. Persönlichkeitsbildung, Ausbildung von Fähigkeiten, Erfahrungen und Verständnis sind kontinuierliche Prozesse. Echte Veränderung braucht Zeit, keine Instant-Sozialerfahrung. Dazu benötigt es Auseinandersetzung damit, was man (Gutes) tut. Dazu bedarf es täglicher Achtsamkeit. Jeder Mensch ist jeden Tag dafür verantwortlich, die Welt ein kleines Stückchen besser zu machen.

 

METAEBENE

LR Ursula Lackner / Lunghammer

Mag.a Ursula Lackner Landesrätin für Bildung und Gesellschaft Foto: Lunghammer

 

ZIELSTREBIGKEIT, ODER EIN SOZIALES JAHR? BEIDES VERDIENT ANERKENNUNG

 

 

 

 

Gleich nach der Schule die Karriere voranzutreiben, zeugt von Zielstrebigkeit und Ehrgeiz und von Vorfreude auf den Beruf.

Es verdient Anerkennung, wenn junge Menschen keine Zeit verlieren wollen auf dem Weg in ihr eigenständiges Leben.
Anerkennung verdienen aber auch alle, die davor noch etwas anderes machen wollen.
Etwas, mit dem sie primär anderen Menschen helfen. Indem sie ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren und in Lebenswelten eintauchen, die sie zuvor vielleicht nicht einmal ansatzweise erahnen konnten, und dabei eventuell sogar eine neue Berufung entdecken.

Dann haben sie nicht nur anderen Menschen geholfen, sondern auch sich selbst.
Das gilt aber auch für all jene, die wieder zurückkehren zu ihrer ursprünglichen Karriereplanung.

Die Erfahrungen, Einblicke und Erlebnisse, die sie im Sozialen Jahr gesammelt haben, bleiben ihnen für immer – und werden ihnen künftig oft zugutekommen.

Unabhängig davon, welchen Beruf sie ausüben.

 

Und was sagst du dazu? Wir veröffentlichen deine Meinung! Schreib eine E-Mail an: info@checkit.at

 

Beitragsbild: pixabay.com/Div_Iv

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