Teenie Leaks – der „echte“ Paul erzählt aus dem Leben 15-Jähriger

Computerspiele, Pornos und Tee trinken mit dem Traummädchen – mit 15 hat der Berliner Schüler Paul ein Buch über seine Altersgruppe geschrieben.

Wenn Paul Bühre über seine Schulklasse schreibt, teilt er sie in die „oberhammer-geilste-krasseste Gangster-Antischul-Gruppe“, die Gruppe der Nerds und die unverständliche „Gruppe X47MKKD89SY“, jene der Mädchen, auf: „Warum ich die alle in einen Topf schmeiße, ist ganz einfach: Bei den Mädchen ist immer alles in Bewegung. Freundschaften werden an einem Tag geschlossen, und gleich am nächsten Tag wird gelästert (…)“.

Von dieser für Österreicher/innen gewöhnungsbedürftigen Sprache sollte man sich nicht abschrecken lassen, denn vieles, was der nun 16-jährige Paul schreibt, ist mit einem Augenzwinkern gemeint. Er glänzt mit seiner Beobachtungsgabe und schafft es, ernste Themen humorvoll zu verpacken. Etwa, wenn er argumentiert, dass Killerspiele nicht für Bluttaten verantwortlich seien: „Computerspiele machen dich genauso wenig zum Amokläufer, der seine Schule auseinandernimmt, wie Farmville dich nicht dazu bringt, ein friedliches Bauernleben anzustreben.“

Heikle Themen

Vor heiklen Themen hat der Berliner Gymnasiast keine Scheu: „Zu der Problemfrage, wie sehr einen Pornos jetzt versauen, würde ich gerne eine Diskussion in Ethik führen. Das mag sich zwar lebensmüde anhören, aber man hätte als Junge wenigstens mal die Chance, sich zu rechtfertigen.“ Trotz alledem wäre Paul „schon glücklich, wenn ich mit meinem Traummädchen bloß Tee trinken, reden und lachen könnte“. Obwohl er damit glücklicherweise kaum bzw. keine Erfahrung hat, schreibt der Teenager in seinem Buch auch über Alkohol und Drogen und zeigt dabei Stärke: „Ich persönlich würde nicht unbedingt aus Gruppenzwang etwas nehmen, bloß um cool zu sein.“

Grafik: Paul Bühre

Grafik: Paul Bühre

Darüber, dass manche Jugendliche von depressiven Verstimmungen geplagt sind, schreibt der junge Autor ebenfalls, durchaus aus eigener Erfahrung: „Man hat keinen Liebeskummer, und das Haustier ist auch nicht gestorben, aber du bist traurig. Man sollte eigentlich Hausaufgaben machen oder überhaupt irgendetwas, stattdessen liegt man auf dem Boden seines Zimmers, starrt die Decke an und fragt sich, was für einen Sinn das alles überhaupt hat.“
In so einem Fall rät der 16-Jährige, das Gespräch zu suchen – mit den Eltern, einem Vertrauenslehrer bzw. einer Vertrauenslehrerin oder einem „richtig guten Freund, dem du alles erzählen kannst, weil er immer zu dir hält“. Auch ein Psychologe oder eine Psychologin könne eine gute Hilfe sein.

Eine eigene Comicserie

Paul betont, dass Teenager „nicht alle konsumorientierte, von Marken und von WLAN abhängige Zombies“ sind, sondern „echte Menschen“ mit Wünschen, Träumen und Zielen. Sein Ziel ist es, „eine eigene Comicserie auf die Beine zu stellen“. Dass der junge Autor und Zeichner dazu Talent hat, zeigen seine lustigen Illustrationen im Buch. Wer „Teenie Leaks“ zu ernst nimmt, ist selbst schuld. Das Buch lebt von humorigen Übertreibungen und ist eine lesenswerte Sommerlektüre mit mehr Tiefgang, als man es am Anfang erwartet.

RAFFAEL REITHOFER

INFO

buehre_cover
Paul Bühre: Teenie Leaks 191 Seiten, Ullstein Verlag. 17,50 Euro
ullstein.de/teenieleaks

Beitragsbild: Privat, Buchcover: Ullstein

 

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