Kein Bock mehr auf digital?

Alles digital? Wenn es stimmen würde, dass man viereckige Augen bekommt, wenn man zu lange auf einen Bildschirm starrt, dann würden wir alle ziemlich lustig ausschauen.

Lustig ist die Situation derzeit aber leider nicht gerade. Durch die Corona-Pandemie haben wir alle viel weniger Kontakt zu anderen Menschen. Die meiste Interaktion findet digital statt. Das macht manchmal Spaß und ist ziemlich oft anstrengend. Wie du den ganzen Wahnsinn überlebst, kannst du hier nachlesen.

Digital Monika Widauer-Scherf| Foto: Widauer

Psychotherapeutin Monika Widauer-Scherf| Foto: Widauer

Ein typischer Corona-Tag ist ziemlich eintönig. Aufstehen, Laptop, Handy, Fernseher, Handy, schlafen gehen. Kein Wunder, dass Spazierengehen zum Lieblingshobby der österreichischen Jugend geworden ist. Vielleicht bist du ja auch schon begeisterte/r Flanierer/in. Wenn nicht, solltest du es unbedingt ausprobieren. Das Schönste ist, dass das sogar mit Freundinnen und Freunden möglich ist! Abgesehen davon schadet es generell nicht, sich offline Beschäftigungen zu suchen, die wirklich Spaß machen. Das empfiehlt die Psychotherapeutin und Supervisorin Monika Widauer-Scherf. Egal ob kochen, schreiben oder musizieren, ­alles, was nicht online stattfindet, ist eine gute ­Erholung.

„Es ist ein schönes Gefühl, wenn immer wieder die realen Personen sichtbar und spürbar werden. Gib dem realen, analogen Leben (auch) eine Chance.“ Monika Widauer-Scherf, Psychotherapeutin

Nachricht oder Videoanruf?

Überleg dir, wie viele Stunden du am Tag im Internet verbringst. Vielleicht kannst du die Zeit ja etwas reduzieren. Natürlich ist das während des Lockdowns nicht besonders einfach. Wenn es also sein muss, empfiehlt Elke Prochazka, die Psychologin ist und in ihrer Praxis unter anderem Workshops für Eltern und Jugendliche anbietet, Video­formate zu wählen. Bei einer Zoom-Konferenz ist es viel leichter, die Mimik und Gestik einer Aussage zu verstehen als in einer WhatsApp-Nachricht. Das sieht auch Monika Widauer-Scherf so. Außerdem, so die Expertin, sollte man sich während Telefonaten nur auf das Telefonieren konzentrieren. Das Gegenüber merkt nämlich schnell, wenn man nebenbei kocht oder im Internet surft und gar nicht richtig zuhört.

Online flirten

Du weißt nach fast einem Jahr Corona-Wahnsinn sicher schon, wie du trotz Abstands Kontakt zu deinem Freundeskreis oder deiner Familie halten kannst. Aber es fehlt ja auch der Kontakt zu fremden Menschen! Gerade wenn du gerne neue Leute kennenlernst, kann sich diese Zeit sehr ziehen. Gut, dass es auch dafür Online-­Lösungen gibt. Da wären zum Beispiel die Dating-Apps: Neben dem Klassiker Tinder gibt es unter anderem Grindr speziell für Schwule und HER für Lesben. „Dating-Apps sind eine gute Möglichkeit, wenn man nicht zu viel erwartet. Wenn man für sich entscheidet: Ich will auch in dieser seltsamen Zeit neue Kontakte haben”, meint die Psychologin Elke Pro­chazka, „dann braucht es aber ein Aussieben durch Skype oder Ähnliches. Und es werden viele dabei sein, wo ich merke, das passt gar nicht. Aber es ist durchaus eine Möglichkeit, Freunde oder Partner zu finden.”

Digital Elke Prochazka | Foto: privat

Psychologin Elke Prochazka | Foto: privat

„Digitale Kommunikation ist eine wesentliche Ressource. Gerade dann, wenn du dich aufgrund deines Alters und deines Wohn­ortes weniger frei bewegen kannst. So kannst du z. B. über Orts- und Ländergrenzen hinweg Kontakte knüpfen.“ Elke Prochazka, Psychologin

So bleibst du safe!

Neben Dating-Apps gibt es auch viele Plattformen, die dafür gestaltet sind, im Internet statt Liebe neue Freundinnen und Freunde zu finden. Prochazka hat die Erfahrung gemacht, dass Menschen, die solche Plattformen nutzen, sich weniger einsam fühlen. Klar kann dabei auch viel schiefgehen. Ich brauch dir nicht sagen, dass es nicht klug ist, Nacktbilder zu verschicken. Das weißt du sicher. Trotzdem kann es, auch wenn man sich an alle Regeln hält, zu unangenehmen Situationen kommen. Vielleicht fällt es dir leicht, jene, die sich blöd verhalten, zu sperren. Vielleicht aber auch nicht, wir sind schließlich alle unterschiedlich. Ein Tipp von der Psychologin Elke Prochazka: Du kannst dir für solche Situationen Notlösungen zurechtlegen. Wie wäre es etwa, wenn du mit dem Foto von einem dreckigen Klo antwortest, wenn dich jemand um ein „dirty pic“ bittet?

Wie gut, dass man sich auf seine analogen Freundinnen und Freunde verlassen kann. Wenn ich mich zum Beispiel nicht traue, eine unangenehme Nachricht abzuschicken, frage ich immer eine Freundin, ob sie noch einmal drüberschauen kann. Wenn man sich gegenseitig unterstützt, ist alles gleich viel leichter, egal ob online oder offline.

SIDONIE SAGMEISTER

fyi – for your info

Rat auf Draht, Tel. 147
Die Ö3-Kummernummer, Tel. 116123
Bundesjugendvertretung
Jugendamt Graz: bereitschaftsdienst.jugend­amt@stadt.graz.at
Bei akuten Krisen am Wochenende und in der Nacht: Tel. +43 316 872–5858
praxis-widauer.at
elkeprochazka.at

 

Beitragsbild: ZoFot/Shutterstock

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