Patchwork: Meine zusammengebastelte Familie

Zwei Erwachsene verlieben sich neu, bringen ihre Kinder aus früheren Partnerschaften mit und leben so zusammengewürfelt unter einem Dach. Ganz nach dem Motto „Patchwork“.

Patchwork bedeutet, alte Reste zu etwas Neuem zusammenzufügen. Deswegen ist auch jede Patchworkfamilie anders, jeder bringt andere „Reste“ mit. Ob das Zusammenleben gut funktioniert, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Etwa, wie die Trennung der Eltern für die Familie war, oder welche Beziehungen die Kinder zu den Stiefeltern und Stiefgeschwistern entwickeln. Eines ist klar: Das Zusammenleben in einer Patchworkfamilie kann eine große Herausforderung sein. Laut Studien zerbrechen Patchworkfamilien nämlich häufiger und die Beteiligten sind im Durchschnitt mehr Spannungen ausgesetzt. Trotz der bekannten Schwierigkeiten entscheiden sich viele Paare, als Patchworkfamilie zu leben.

Felix, 15 | Foto: privat

Felix, 15 | Foto: privat

In der Familie des 15-jährigen Felix ist es auch so gekommen. Seine Eltern haben sich getrennt und sich in andere Menschen neu verliebt. Kinder haben bei dieser Entscheidung oft wenig Mitspracherecht. Trotzdem ist Felix froh, dass seine Eltern sich getrennt haben. Er meint, dass es nicht gut sei, wenn Eltern nur wegen der gemeinsamen Kinder zusammenbleiben: „Wären meine Eltern damals nicht auseinandergegangen, wäre ich vielleicht verhaltensauffällig, vor allem aber eingeschüchtert.“

Patchwork: was sich ändert

Wird eine neue Familie zusammengebastelt, ist das eine große Umstellung und vor allem für die Kinder bringt es eine Reihe neuer Herausforderungen mit sich. Felix fühlt sich als Kind von zwei verschiedenen Familien. Diese wollen meistens auch gleich viel Zeit mit ihm verbringen. Dabei entstehen manchmal künstliche Besuchssituationen. „Hin und wieder kommt es dazu, dass ich jemanden nur aus Pflichtgefühl besuche oder damit ich keinen Streit anfange.“ Felix möchte aber selbst entscheiden, bei welcher Familie er seine Zeit verbringt.

Was auch zu Spannungen führen kann, ist das Verhältnis zu den neuen Partnern der Eltern und zu deren Kindern. Für Felix ist das allerdings kein großes Problem. Auf Vorschriften der neuen Partner/innen, so meint er, würde er vielleicht sogar eher eingehen, da eine gewisse Distanz zu den neuen Familienmitgliedern herrscht. Auf jeden Fall ist er nicht wütend, wenn das passieren würde. Generell bekommt Felix einfach nicht gerne Vorschriften. Er meint, dass man Veränderung als alltäglich und als Möglichkeit sehen soll, um dazuzulernen. „Du wächst mit deinen Erfahrungen und anstatt dich zu bemitleiden, schau, was du aus dieser Situation machen kannst.“

Deine Gefühle müssen Platz haben!

Falls sich bei dir zu Hause gerade zu viel ändert, du dich mit der neuen Situation nicht wohl fühlst oder die Stimmung in der Familie zu angespannt ist, musst du das nicht hinnehmen. Wenn du mit keinem aus deiner Familie reden kannst, dann erzähl einem guten Freund oder einer Freundin, deinem Vertrauenslehrer oder auch der Schulpsychologin, was los ist. Wenn du das nicht willst, kannst du dir „Rat auf Draht“ holen oder dich an Rainbows oder andere Beratungsstellen wenden, die auf das Thema spezialisiert sind. Denn deine Gefühle und Meinungen müssen Platz haben!

SANDRA LAZANYI

fyi – for your info 

Rat auf Draht: Tel. 147

rataufdraht.at

Beratung und Information:
logo.at/zeit-fr-dich
rainbows.at
ermutigungen.at

 

Beitragsbild: legenda/Shutterstock

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