Backpacking: Ich bin dann mal weg

Aus einer viermonatigen Backpacking-Reise nach Südamerika wurden bei Alexandra 14 Monate Auslandsaufenthalt. Hier erzählt sie euch, warum weggehen die beste Entscheidung ihres Lebens war. 

Irgendwie wusste ich immer, dass es da draußen noch mehr gibt, dass der herkömmliche Berufs- und Ausbildungsweg für mich nicht alles ist. Weil ich glaube, dass das Leben einem manchmal mehr lehren kann als die Universität. In meinem Beruf – ich bin Journalistin – versuche ich, Menschen einen Teil der Welt zu erklären. Im Frühling 2017 erschien mir das ein bisschen zynisch: Wie geht das, ohne etwas von der Welt gesehen zu haben? Ich rief eine meiner besten Freundinnen an und erklärte ihr, dass ich „ganz weit weg muss“, etwas Neues sehen, gesellschaftliche Werte infrage stellen, eine Sprache lernen möchte.

Auslandsaufenthalt | Foto: Polic

Foto: Polic

Im Oktober 2017 packten wir unsere Rucksäcke und landeten gemeinsam in Ecuador, im Abenteuer unseres Lebens. Vier Monate Südamerika standen auf dem neuen Lebensplan und was nun genau passieren sollte, war unklar. Unser Spanisch war zu diesem Zeitpunkt etwa auf diesem Level: Wir konnten nach dem Weg fragen, verstanden aber die Antwort nicht. Mit Händen, Füßen und Straßenkarten kamen wir trotzdem immer ans Ziel.

Drei Monate waren wir gemeinsam unterwegs. Wir schaukelten über der ecuadorianischen Hauptstadt Quito und arbeiteten in Hostels an der peruanischen Küste. Ende 2017 wanderte ich auf 5.000 Meter hohe Berge, Anfang 2018 waren wir endlich auf Machu Picchu. In Bolivien sahen wir Armut, was es heißt, ohne Buspläne zu leben, und die größte Salzwüste der Erde in Uyuni.

UND DANN FLOG ICH NICHT MIT …

Danach war ich allein auf Reisen, unter anderem im Norden von Argentinien und der Atacama-Wüste. Das war kurz bevor ich hätte nach Hause fliegen sollen. Mein Flug nach Graz ging Ende April, an Bord war ich nicht: die schwerste, aber beste Entscheidung meines Lebens. Ich bin einfach hängen geblieben, mit dem Kopf, mit dem Herzen, mit dem ganz großen Willen, noch viel mehr zu lernen.

Zu meiner neuen Heimat wurde im Mai also Chile. Das war beängstigend und großartig zugleich. In meiner internationalen WG mit zwei Chilenen und einer Brasilianerin fand ich Familie und sehr geduldige Spanisch-Lehrer – bald war die Wohnung mit Notizzetteln und Vokabeln zugeklebt. In Santiago hatte ich außerdem bereits einige Freunde, die ich in Bolivien kennengelernt hatte, und so fühlte ich mich wirklich sehr schnell wie zu Hause – nur mit mehr Abenteuer.

Auslandsaufenthalt | Foto: Polic

Foto: Polic

Zuerst machte ich ein Volontariat in einem Kinderheim. Meine Nachmittage verbrachte ich dort mit Kindern im Alter von zwei bis vier Jahren, die Eltern hatten, aus verschiedenen Gründen aber nicht bei ihnen leben konnten. Da habe ich zum allerersten Mal realisiert, wie viel wir mit ganz wenig bewirken können und was wirklich wichtig ist: sich Zeit nehmen, für andere und für sich selbst. Später habe ich in einer Sprachschule gearbeitet.

Eigentlich wollte ich Englisch oder Deutsch unterrichten, aber spontan wurde mir angeboten, die Facebook- und Instagram-Seite der Schule zu betreuen. Ich habe zugesagt. Bald schrieb ich Blog-Beiträge in drei Sprachen. In Südamerika habe ich wirklich jeden Tag gespürt: In meinem Leben bewegt sich etwas.

UPGRADE: ALEX 2.0

Seit Weihnachten 2018 bin ich wieder zu Hause in der Steiermark. Auch wenn ich nicht glaube, dass mich mein Auslandsaufenthalt zu einem anderen Menschen gemacht hat – ich bin nun eine Version von mir, die mehr Perspektiven hat: ein „Upgrade“, wie ein guter Freund es nennt. Ich lebe viel mehr im Jetzt und nicht immer nur für morgen. Ich hänge Bilder in Wohnungen auf, aus denen ich vielleicht nach einer Woche wieder ausziehe.

Wenn ich über meine Zukunft nachdenke, dann denke ich an Freiwilligenarbeit in Afrika, Praktika in Südostasien, ich denke darüber nach, zurück nach Chile zu gehen. Dann steht mir plötzlich ganz Europa offen. Während ich früher meinte, in Österreich zu bleiben wäre mir zu wenig, finde ich die Idee mittlerweile sehr schön. Auch, weil ich gelernt habe zu schätzen, wie gut es uns hier geht. Ich versuche nun, mehr für die Umwelt zu tun, esse kaum Fleisch und verwende so wenig Plastik wie möglich.

Über Politik und Gesellschaft führe ich heute ein ganz anderes Gespräch, als ich es noch vor 15 Monaten getan hätte. Und beim Schreiben hilft mir eine Sprache mehr. Welche die nächste wird, bleibt noch geheim … ;-)

ALEXANDRA POLIC 

fyi – for your info 

Mehr über Alexandras Auslandserlebnisse liest du in ihrem Blog: medium.com/i-stayed

Beratung und Info bei LOGO:
logo.at/reisen
logo.at/internationales

Freiwilligenarbeit (ehem. EFD):
solidaritaetskorps.at

Jobs im Ausland:
workaway.info
backdoorjobs.com
coolworks.com

 

Beitragsbild: Polic

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