Pro & Contra: Latein in der Schule

Latein ist seit Generationen ein fixer Bestandteil verschlafener Schulstunden und durchlernter Nächte. Keiner ist mehr da, dessen Muttersprache Latein wäre, kein Urlaubsland, in dem man mit seinen Sprachkenntnissen trumpfen könnte. Also ist er noch sinnvoll, der Lateinunterricht? Wir haben uns mal das Für und Wider angehört …

 

Elisabeth Grabner (23) hat soeben ihr Studium zur Sozialarbeiterin abgeschlossen. Foto: Privat

Elisabeth Grabner (23) hat soeben ihr Studium zur Sozialarbeiterin abgeschlossen. Foto: Privat

PRO: Elisabeth

Ich hätte gerne Latein gelernt. Diese Sprache begegnet uns oft.

Kleine Übersetzung zu Beginn: Wolf heißt im Lateinischen „lupus“. Im Italienischen „lupo“. Im Französischen „loup“. Im Spanischen „lobo“. Und der Hinweis auf Professor Lupins Werwolf-Problem in Harry Potter lässt sich mit dieser Kenntnis auch knacken. Das ist keine Besonderheit!

Aufgrund ihrer Wurzeln haben romanische Sprachen wie Französisch oder Italienisch starke Ähnlichkeit mit dem Lateinischen, viele Wörter lassen sich von ihrem lateinischen „Großvater“ ableiten. Und das macht es natürlich einfacher, eine neue Sprache zu lernen, denn alles, was uns an Bekanntes erinnert oder wo sich eine Eselsbrücke schlagen lässt, erleichtert uns das Merken. Nicht umsonst wird in vielen Lehrbüchern neben der deutschen Übersetzung zu einer Vokabel auch ein ähnliches (sehr oft lateinisches) Wort dazu angegeben.

Vielleicht mag es mühsam erscheinen, eine ausgestorbene Sprache zu lernen, wenn man nicht unbedingt in den Vatikan übersiedeln möchte. Aber Mehrsprachigkeit wird heute immer wichtiger und mit Latein als Basis lässt sich so manche Sprache schneller und einfacher lernen. Im medizinischen Bereich oder im Geschichtsstudium werden Lateinkenntnisse auch als Voraussetzung angesehen, da lateinische Begriffe gängig sind.

So ausgestorben ist die Sprache also gar nicht. Ich für meinen Teil habe es immer schade gefunden, dass wir nie Latein in der Schule hatten und hätte es gerne gelernt.

 

Isa Mitwally (15) besucht das Gymnasium Kirchengasse in Graz. Foto: Privat

Isa Mitwally (15) besucht das Gymnasium Kirchengasse in Graz. Foto: Privat

CONTRA: Isa

Ein aufwändiges Schulfach, dass unnötig Zeit verschlingt.

Immer wieder hört man Schülerinnen und Schüler sagen: „Latein ist so schwer!“, „Warum haben wir in der Schule überhaupt Latein, das braucht doch eh keiner!“ Ich finde, durchaus zu Recht, denn wer Latein in der Schule hat(te), der weiß genau, wie viel Arbeit es ist, einen Text zu übersetzen oder all die Grammatik zu lernen. Jene, die kein Latein haben/hatten, können sich glücklich schätzen. In manchen Schulen wird dieses Fach gar nicht angeboten, in anderen wiederum hat fast jede/r Schüler/in Lateinunterricht.

Aber warum muss es Latein sein, wenn man weiß, dass man später etwas studieren wird, wofür man diese Sprache nicht benötigt? Klar weiß in der Schulzeit noch nicht jede/r, ob er oder sie später Latein brauchen wird oder nicht, aber dann wäre es zumindest sinnvoll, die Schüler/innen darüber zu informieren, warum es sinnvoll ist, Latein zu lernen, und in welchen Fällen einem die Sprache eher weniger nützt.

Oft erwarten Lateinlehrer/innen dann auch noch, dass man perfekte Noten schreibt und alles spitzenmäßig beherrscht. Bei so viel Lernstoff ist das aber kaum möglich, darum schreiben viele schlechte Noten, was wiederum einen nicht so guten Einfluss auf das Zeugnis hat. Also wäre es sinnvoll, entweder die Schüler/innen grundsätzlich für oder gegen Latein entscheiden zu lassen – oder aber den Latein­unterricht nicht so intensiv zu führen, um dafür alles öfter zu wiederholen, damit man auf diese Art gute Noten erreichen kann.

 

SPÖ_Sudy

Foto: SPÖ / Sudy

METAEBENE: Mag.a Ursula Lackner

LRin für Bildung und Gesellschaft

 

Latein – eine tote Sprache? Keineswegs. Denn die lateinische Sprache lebt in den romanischen Sprachen heute noch weiter. Wer heute Italienisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch lernt, lernt auch noch einen guten Teil Latein mit. Wer Latein bereits gelernt hat, lernt diese Sprachen leichter.

Dazu kommt, dass das Latein sehr strukturiertes Denken erfordert. Damit ist es auch ein gutes Training für andere Bereiche: Mathematik, Physik, Chemie, aber auch für Redetechnik, Projektplanung, Kommunikationsstrategie bis hin zur Politik.

Also, auch wenn es manchmal sinnlos erscheinen mag, den Unterschied zwischen Ablativus absolutus und Ablativus qualitatis sowie zwischen Gerundium vom Gerundivum zu strebern – abgesehen von den Details ist Latein im Großen und Ganzen eines der nachhaltigen Fächer.

Die eigentliche Frage lautet aber: Interessiert dich Latein? Interessiert dich die Bildung, die Latein vermitteln kann? Interessieren dich die wichtigen, alten Menschheitsthemen, von der Frage nach dem richtigen Leben bis zur Frage, ob es einen gerechten Krieg geben kann? Wenn ja, ist es das richtige Fach für dich.

 

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Beitragsbild: jillmackie / Pixabay

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