PlastikFREIE ZONE

Lilly aus der checkit.jugendredaktion und ihre Freundin Dani haben‘s probiert: 40 Tage ohne Plastik – (Fast) Ein Ding der Unmöglichkeit.

Plastik – beziehungsweise Kunststoff – wird meist aus nicht erneuerbaren Rohstoffen wie Erdöl hergestellt. Es ist vielseitig und wird als Verpackungsmaterial, Wärmedämmung und in der Kleiderindustrie eingesetzt. Kunststoffabfall kann man recyceln, der größte Teil wird aber immer noch verbrannt, wodurch giftige Stoffe freigesetzt werden, oder in der Natur entsorgt, wo es liegen bleibt.

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Lilly und Dani | Foto: Grabner

Um Plastikmüll zu verringern, haben Dani und ich beschlossen, 40 Tage lang auf Plastik im Einkaufswagen zu verzichten. Erst dadurch wurde klar, was alles in Kunststoff verpackt ist: Shampoo, Taschentücher, Nudeln, Getränke – der Supermarkt ist voll! Erst schien es eine riesengroße Hürde, ohne Plastik einzukaufen, doch Not macht erfinderisch. Der regionale Fleischhauer packte alles in die mitgebrachte Jausenbox.

Bei Wattepads und Shampoo hieß es: selber machen! Im Internet findet man Unmengen an DIY-Anleitungen und vieles ist leicht und günstig herzustellen. Apropos, großer Pluspunkt: Man spart sich einiges!

Die Milch vom Automaten beim Bauern ums Eck war günstiger als im Supermarkt und nebenbei konnten wir uns von der artgerechten Haltung der zuliefernden Kühe überzeugen. Die meisten Kleidungsstücke sind mit Plastik­etiketten versehen – hier haben wir einiges gespart, weil wir feststellten, dass wir das gewünschte Teil nicht wirklich brauchen. Fazit: Ist die Bequemlichkeit überwunden, stellt man fest, dass es sich weitgehend ohne Plastik leben lässt.

PRAKTISCHE TIPPS AUS UNSERER PLASTIKFREIEN PRAXIS

Der erste Schritt zum plastikarmen Lebensstil ist, sich bewusst zu machen, wo überall Plastik dabei ist. Achtet beim Einkaufen oder unterwegs einmal darauf, welche Produkte wie verpackt sind und wo es plastikfreie Alternativen gibt.

WIEDERVERWERTEN

Sackerl-Sache: Immer und immer wieder hört man das gleiche, aber scheinbar ist es immer noch nicht zu allen durchgedrungen: Taschen und Sackerl können wiederverwendet werden! Legt euch ein paar Stofftaschen zu, die ihr mitnehmt, wenn ihr unterwegs seid. Die lassen sich klein zusammenfalten und passen in jede Handtasche, in den Kofferraum und auf den Gepäcksträger. Selbiges gilt für Papier- und Plastiksackerl, die ihr sowieso schon zu Hause habt. Das ist überhaupt kein Aufwand und spart das ständige Neukaufen von Sackerl im Supermarkt.

Fleisch, Wurst und Käse werden zwar in „Papier“ verpackt, aber wer genau hinschaut, sieht innen die Kunststoffbeschichtung. Würden diese Produkte nur in Papier verpackt werden, würde sich die Verpackung schnell mit Flüssigkeit vollsaugen und eine ordentliche Schweinerei anrichten. Besser ist es da, Tupperboxen oder andere auswaschbare Behälter in den Supermarkt mitzunehmen und sich die Ware gleich direkt dort hineingeben zu lassen. Wir waren in mehreren Billa-Filialen in unserer Region, bei Spar und Unimarkt, und es war nirgends ein Problem, dass wir unsere Waren in die mitgebrachten Dosen bekommen haben!

Den Coffee-to-go kann man sich problemlos in einen mitgebrachten Thermobecher füllen lassen und manche Fast-Food-Ketten verpacken die Burger auf Wunsch sogar nur in Papierservietten, statt der üblichen Kartons (die haben auch innen eine Kunststoffbeschichtung). Wie auch die Stoffsackerl kann man Tupperboxen, Thermobecher und Co. gleich im Auto oder in der Tasche deponieren, um sie immer dabeizuhaben.

REGIONAL EINKAUFEN

In Bioläden oder Reformhäusern gibt es Milch oder Joghurts in Glasverpackungen, man kann aber genausogut auch zu einem Milchautomaten fahren. Milchautomaten sehen ähnlich aus wie kleine Schränke und werden von Milchbauern befüllt. Einfach den Kasten aufmachen, ein mitgebrachtes Gefäß für die Milch unterstellen und Geld einwerfen. Bei uns kostet die Milch vom Automaten 80 oder 90 Cent. Die gekaufte Milch ist allerdings noch Rohmilch, deshalb muss sie zuhause einmal aufgekocht werden. Beim Erkalten bildet sich dann an der Oberfläche eine Rahmschicht, die einfach abgeschöpft werden kann und sich super zum Verfeinern von Saucen oder Kuchen eignet.

Viele Landwirte bieten in Bauernläden verarbeitete Milchprodukte wie Butter oder Joghurt an. Brot kann ebenfalls oftmals von Bauern gekauft werden und in vielen Regionen werden auch andere Produkte wie Äpfel, Säfte, Sirup, Marmeladen oder Gemüse angeboten. Macht euch einmal in eurer Gemeinde schlau, was angeboten wird. Für uns hat sich auch ein Facebook-Post bei der Suche nach Milchautomaten bezahlt gemacht, also auch diese Kanäle können genutzt werden.

In Graz kann jeden Tag irgendwo ein Bauernmarkt besucht werden, auf dem Land finden sie zumeist einmal die Woche in unterschiedlichen Gemeinden statt. Dort werden Obst und Gemüse, teilweise auch Selbstgebackenes, Honig und viele weitere Köstlichkeiten angeboten. Im Vergleich zum Supermarkt ist der Bauernmarkt bei manchen Produkten etwas teurer, aber die Mengen lassen sich viel besser festlegen, da es keine fertig abgepackten Waren sind – so kann man durch genauere Mengeneinteilung Geld (und Kunststoffverpackung) sparen.

Fleisch und Wurst bekommt man beim Fleischhauer ebenfalls in mitgebrachtes Geschirr, der auch genau sagen kann, woher seine Produkte stammen. Und für alle, die ähnlich wie ich rohes Fleisch am liebsten nicht einmal berühren würden, bietet diese Variante noch einen weiteren Vorteil: Wenn man nett fragt, bekommt man das Fleisch dort auch genau so geschnitten, wie man es haben möchte und braucht es daheim dann nicht mehr angreifen.

SELBERMACHEN

Wattepads scheinen für uns Mädels zum Abschminken unersetzbar. Sind sie aber nicht! Verschiedene Firmen bieten waschbare Alternativen zu Wattepads an und die Selbermacher unter euch können sie auch ganz leicht und ressourcenschonend selbst nähen: mit einem Glas die gewünschte Größe auf einem alten Handtuch, Geschirrtuch, T-Shirt, … markieren und ausschneiden. Jeweils zwei Kreise übereinander legen, zusammennähen und fertig.

Seifen gibt es in allen erdenklichen Farben, Formen und Düften, aus Olivenöl, Schafmilch oder Shea-Butter, für Körper, Haare und Gesicht. Seifen sind Allrounder, die oft in Karton verpackt oder in manchen Reformhäusern sogar lose aufliegen und viele Kunststofftuben im Badezimmer ersetzen können. Oft bekommt man auch Seifensets zum Selbergießen, mit etwas Aufwand kann auch die Grundmasse selbst hergestellt werden.

Zahnpasta kann aus vier bis fünf Esslöffeln Kokosöl hergestellt werden, das im Wasserbad geschmolzen wird. Zwei bis drei Esslöffel Natronpulver hinzugeben und auf Wunsch noch etwas Pfefferminzöl. Das Ganze in kleine Gläser füllen und abkühlen lassen. Die Textur wird dann wieder fester, mit einem kleinen Löffel oder Spatel kann die Pasta aber einfach auf die Zahnbürste gestrichen werden.

Selbstgemachte Kosmetika werden am besten im Kühlschrank aufbewahrt und nachdem keine Konservierungsstoffe oder ähnliches zugesetzt werden, ist die Haltbarkeit begrenzt. Daher ist es sinnvoll, lieber öfter kleine Mengen herzustellen und diese mit einem Etikett und dem Abfülldatum zu versehen. Die verwendeten Materialen sollten im Vorfeld gut gesäubert und im besten Fall desinfiziert werden, um Verunreinigungen zu verhindern.

Auch in der Küche können viele Dinge selbst gemacht werden. Für leckeres Pesto 40 g Nüsse oder Kerne (zB Pinienkerne) anrösten und 100 g Gemüse oder Kräuter grob zerkleinern. Alles in der Küchenmaschine pürieren und 100 ml Öl, eine Knoblauchzehe und 50 g Parmesan hinzugeben. In wiederverschließbare Gläser füllen und im Kühlschrank lagern. Das Pesto hält sich zwei bis drei Wochen.

Suppenwürfel sind alle einzeln verpackt und eigentlich komplett unnötig, da man Suppenwürze ganz einfach selbst herstellen kann. Dafür einfach frisches Gemüse nach Belieben mischen, beispielsweise drei Karotten, eine kleine Knolle Sellerie, eine Stange Lauch, eine Zwiebel, ein paar Knoblauchzehen und eine Pastinake und zu einem Brei zerkleinern. Die Feinheit kann je nach Belieben bestimmt werden. Etwa zwei Esslöffel Salz, etwas Pfeffer und Kräuter hinzugeben und in verschließbare Gläser abfüllen. Im Kühlschrank ist die Würze etwa sechs bis zwölf Monate haltbar.

NACHDENKEN

Schokopudding im Kühlregel, Süßkram, Limos – all diese Dinge sind in Plastik verpackt und haben noch etwas gemeinsam: ihr Wert für die Gesundheit hält sich in Grenzen. Selbiges gilt für Fertigprodukte oder Basen für Saucen und Gerichte. Schmeckt alles super lecker, keine Frage, aber zum einen sind diese Lebensmittel niemals so wertvoll wie frische, selbstzubereitete Gerichte und zum anderen werden se allesamt in verschiedenen Wegwerfverpackungen geliefert. Mir persönlich geht es im Supermarkt oft so, dass mich der Heißhunger packt und große Mengen an Naschsachen im Einkaufskorb landen oder dass ich bei „Nimm-mehr-zahl-weniger“-Angeboten zuschlage, auch wenn ich eigentlich auch mit einer Packung ausreichen würde und nicht gleich drei davon brauche. Werbung suggeriert uns oft, dass wir bestimmte Dinge brauchen oder gibt uns das gute Gefühl, gerade ein tolles Schnäppchen gemacht zu haben und im Nachheinen frage ich mich dann zu Hause, warum ich drei Packungen Käse statt einer gekauft habe und mich plagt das schlechte Gewissen, wenn ich die Berge an Schokolade auspacke, die sich im Einkaufskorb türmen.

Durch das Plastikfasten ist das alles weggefallen und siehe da: Ich kann damit auch gut leben. Daher mein Tipp: Überlegt euch schon im Supermarkt, ob ihr die Produkte im Einkaufswagen wirklich braucht und warum ihr sie jetzt kaufen wollt.

Der größte Feind des Plastiksparens ist definitiv der innere Schweinehund. Natürlich ist es viel bequemer, im Supermarkt ein Plastiksackerl mitzunehmen und wenn man sich die Wurst in Plastik einpacken lässt, spart man sich im Nachhinein das lästige Abwaschen. Aber, Hand auf’s Herz: die obigen Tipps sind nicht wirklich mit viel Aufwand verbunden und lassen sich leicht umsetzen, wenn man sich erst einmal einen Ruck gibt und damit anfängt!

ELISABETH GRABNER

fyi – for your info

plastikfreier.com
plastikfrei.at
keinheimfuerplastik.at/ichbinsoplastikfrei

 

Beitragsbild: Hans/Pixabay

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