Pro & Contra: Sind Schulnoten up to date?

„Sehr gut“ bis „Nicht genügend“: Reicht uns das althergebrachte System der Schulnoten oder ist das keine zeitgemäße Form der Leistungsbeurteilung? Wir bitten zum Pro & Contra.

 

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Marie Mayer ist freie Journalistin und lebt in Graz. | Foto: Privat

PRO

Gegen die „Schatzerl­wirtschaft“ und für faire Orientierungshilfe.

Sie erzeugen Druck, Frustration, sind weder aussagekräftig noch leistungsfördernd. Verteufelt werden sie geradezu, die bösen Zahlen aka Noten. Aber Hand aufs Herz, was ist die Alternative? Eine verbale Beurteilung, sprich, verworrene, Nullachtfünfzehn-Floskeln mit viel Interpretationsspielraum, die letztendlich erst wieder zur Frage „Welche Note wäre das?“ verleiten?

Wohl kaum! Vielmehr sollten wir endlich das Positive in schriftlichen Benotungen erkennen. Mutmacher, Ansporn und Orientierungshilfe sind diese Ziffern nämlich. Sie zeigen uns klar, wo wir mit unserer Leistung stehen, gewähren Lehrerinnen und Lehrern, Schülerinnen und Schülern sowie Eltern eine Einschätzung des Lern- und Entwicklungsstandes und tragen wesentlich dazu bei, Defizite und Schwierigkeiten frühzeitig zu erkennen und auszumerzen.

Noten helfen uns, unsere Stärken und Schwächen zu entdecken, wecken den Ehrgeiz und fördern die Talente. Sie sind wie das Salz in der Suppe, lehren uns einerseits, mit mäßigen Leistungen umzugehen, und belohnen uns andererseits für Fleiß und rauchende Köpfe. Noten sind die einzig wirklich faire Methode, Leistungen zu messen. Nicht zuletzt, wenn es darum geht, zu einer Endnote zu gelangen. Denn die ist keine Momentaufnahme.

Verbale Ausschmückungen? Ja bitte, aber nicht, wenn es darum geht, die Sache auf den Punkt zu bringen. Das wäre alles andere als fair und würde nur wieder der „Schatzerlwirtschaft“ Tür und Tor öffnen.

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Elisabeth Grabner ist Sozialarbeiterin und lebt im Mürztal. | Foto: Privat

CONTRA

Ansporn – oder der Versuch eines Elefanten, auf den Baum zu klettern.

Noten erzeugen Konkurrenzdruck. Ich glaube, da stimmt mir jede/r zu, die/der selbst in der Schule benotet wurde. Dieser Konkurrenzdruck kann auch Positives mit sich bringen, Ehrgeiz fördern und Ansporn sein. Er kann aber auch zermürben und frustrieren. Jedes Kind hat individuelle Fähigkeiten und Stärken, so gibt es Schüler/innen, die für gute Noten wenig lernen müssen, und es gibt Schüler/innen, die wochenlang büffeln, um nicht durchzufallen.

Es gibt Sympathie oder Antipathie zwischen Lehrer/in und Schüler/in. Manche verstehen Mathe auf Anhieb und andere scheitern beim verzweifelten Versuch, das Jonglieren mit Zahlen nachzuvollziehen. Mir kommt dazu ein schönes Bild in den Sinn, das ich einmal im Internet gesehen habe: Ein Affe, ein Goldfisch und ein Elefant haben die Aufgabe, auf einen Baum zu klettern – gleiche Herausforderung für faire Bewertung.

Nur ist das nicht fair, weil unterschiedliche Fähigkeiten und Begabungen auf der Strecke bleiben. Ich glaube, dass bei der konventionellen Benotung nicht das Kind im Mittelpunkt steht, sondern seine Leistungen, und diese Ziffern bestimmen über dessen Zukunft. Dabei finde ich es besonders im jungen Alter wichtig, Menschen in ihrem Selbstwert und ihrer Individualität zu stärken und ihnen Freude am Lernen zu vermitteln, statt sie auf Leistungen nach Normvorschrift zu drillen.

 

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Mag.a Ursula Lackner Landesrätin für Bildung und Gesellschaft | Foto: Lunghammer

METAEBENE

Die Vielfalt eines Menschen sollte man nicht auf eins bis fünf reduzieren.

Es gibt aussagekräftigere Beurteilungen als Noten, wenn man die Schüler/innen in ihrer Entwicklung unterstützen möchte. Abseits des Notensystems können Pädagoginnen und Pädagogen besser auf Stärken und Schwächen eingehen und gezieltes Feedback geben. Viele Lehrer/innen tun das jeden Tag, wenn sie mit Schülerinnen und Schülern reden.

Nur: Ins Zeugnis passen solche Analysen nicht. Dort müssen sie Menschen mit Noten beurteilen. Das halte ich für nicht zeitgemäß! Wir brauchen ein neues System, das nicht versucht, die Vielfalt eines Menschen auf eines von fünf Merkmalen – von „sehr gut“ bis „nicht genügend“ – zu reduzieren.

An den Schnittstellen zu weiterführenden (Hoch-)Schulen wird es auch künftig aussagekräftige Zeugnisse in reduzierter Form geben müssen, um Vergleichbarkeit und Gerechtigkeit zu gewährleisten. Hier muss es zu einer international abgestimmten Lösung kommen, um Jugendlichen den Weg an die (Hoch-)Schulen, auch im Ausland, zu erleichtern.

 

Beitragsbild: PublicDomainPictures/Pixabay

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